Soziale Gesellschaft    

17.09.2012 (Reform der Behindertenhilfe)

Inklusion in Verantwortung (Aufsatz als pdf download)

Es gibt immer wieder Betroffene, die das Werben für das "Menschenrecht auf Inklusion" mit Sorge betrachten. Diese Ängste, insbesondere der Eltern von Menschen mit Behinderung, sind ernst zu nehmen und fachlich zu beantworten.

 

Insbesondere keimt die Sorge auf, das Inklusion dazu führt, das die gute Betreuung und Förderung insbesondere von schwerst-mehrfachbehinderten Menschen sich verschlechtern wird. Es wird auch als Affront gegen die hart erkämpften Erfolge des „besten Betreuungs- und Fördermodells“ verstanden. Ebenso besteht ein Misstrauen, das Inklusion ein Sparmodell auf Kosten der Behinderten und deren Angehörige sei.

In dem Aufsatz „Inklusion in Verantwortung“ habe ich versucht diese Verunsicherung aufzugreifen und herauszuarbeiten das Inklusion ein Recht für die Menschen mit Behinderung ist und sich nicht gegen sie wendet. In der Pflicht ist nur die Gesellschaft, sich zu öffnen und aufgeschlossener zu werden. Die hohen Standards der Behindertenhilfe dürfen nicht verwässert oder abgebaut werden. Gute Förderung ist in Regeleinrichtungen zu implementieren.

Dieser Artikel richtet sich nicht an „lobbyistische Bedenkenträger“, denn das „Recht auf den Wunsch nach Inklusion“ bleibt unverändert, die Pflicht des Staates und der Gesellschaft dies zu gewährleisten, bleibt bestehen. Lediglich für die Zielgruppe der schwerst-mehrfachbehinderten Menschen ist eine besondere Umsetzung, auf Wunsch auch der notwendige Schon- und Schutzraum, zusätzlich zu gewährleisten. (roe)

 

01.06.2011
Leitlinien zur inklusiven Schulrechtsreform NRW

Es ist nun weitgehend unstrittig, das „Inklusion“ als Deutsches Recht nach der UN-Konvention auch auf Landesebene sowie in den Kommunen unverzüglich umgesetzt werden muss.

Ein bedeutender Aspekt ist das inklusive Schulsystem, welches „gemeinsames Lernen“ behinderter und nicht-behinderter Kinder einfordert. Es stellt sich nur noch die Frage nach dem wie, wann und wie schnell?

Drei Fragen sind bei der politischen Umsetzung evident:

1. Mit welcher Rechtskraft wird das Recht auf Inklusion im Schulgesetz verankert? Stichwort: Elternwahlrecht, hier: INKLUSION ist ein unveräußerliches Grund- und Menschenrecht. Es ist ein Recht des Kindes an sich, auf das nicht einmal die Eltern „freiwillig“ verzichten können.

2. Wie werden die Rahmenbedingungen für „gemeinsames Lernen“ sein? Stichworte: Schulfinanzierungsgesetz und Ressourcensteuerung, Lehrerstellenzuweisung, Aus- und Fortbildung.
3. Was passiert mit den Förderschulen? Wo und wie werden die freiwerdenden SonderschullehrerInnen eingesetzt?

Wir hoffen mit den beigefügten „Leitlinien zur inklusiven Schulrechtsreform NRW“ (s. PDF, bitte Link anklicken!) bei der Inklusionsplanung hilfreich sein zu können.

(Paul-Roemer, Dipl.-Soz.Wiss.)

 


Was macht der Sozialstaat?

Es hat den Anschein, als gehe dem Sozialstaat das Geld aus. Richtig ist, das einige (soziale) Aufgaben und Projekte aufgrund von Mittelkürzungen und dem damit verbundenen Stellenabbau und Einstellungsstopp bei öffentlichen und sozialen Trägern nicht mehr bearbeitet werden können. Gleichwohl wird das Aufgabenspektrum immer größer, insbesondere durch die sachgerechte Einforderung von mehr Qualitätsentwicklung/-sicherung. Darüber hinaus finden soziale Einrichtungen aufgrund massiver Arbeitsüberlastung oftmals nicht die Kraft, Innovationen voranzutreiben und Arbeitsabläufe neu zu gestalten.
Somit ist zu konstatieren, dass der "funktionale Dilettantismus" (1) zunehmen wird. Führungskräfte in sozialen Unternehmen haben dies erkannt und versuchen durch Orga-nisationsreformen und Kürzungen im Personalbereich Haushaltsmittel frei zu bekommen, um wichtige Dienste und Projekte weiterhin betreiben zu können. Eine 20jährige Berufs-erfahrung mit sozialen Trägern bestätigt, dass viele Aufgaben auf Erledigung warten, es auch immer noch finanzielle Ressourcen gibt, die aber nicht ausreichen, um neue Personalstellen einzurichten.
Conclusion:

Arbeit und Geld sind vorhanden, nur müssen die Arbeitsaufträge neu und in anderen Organisationsformen erledigt werden. Zudem werden praxiserfahrene Projektentwickler benötigt.

Literatur:
1) Seibel, W.: Funktionaler Dilettantismus. 1992 , Nomos-Verlag

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